Klavier lernen als Erwachsener? – Kein Problem: Wer kennt es nicht, das Sprichwort, das besagt, dass es die Übung ist, die den Meister macht. Doch was versteckt sich eigentlich genau hinter dem Wort “Üben”? Wir haben recherchiert!

“Üben bezeichnet die wiederholte Anwendung einer Fähigkeit mit dem Ziel, diese zu verbessern», so die Definition der Universität Kaiserslautern. Die Wiederholung alleine reicht beim Instrumentalspiel aber nicht aus, um schnellstmöglich und erfolgreich ans Ziel zu gelangen. 

Für das Erlernen eines Instrumentes ist das Üben Voraussetzung. Ohne Übung bleiben sowohl der Fortschritt als auch die Freude am Musizieren auf der Strecke. Grundlegend sind daher Disziplin, Ausdauer und Motivation. 
Disziplin und Ausdauer? Klingt irgendwie nicht wirklich nach Spaß? Keine Sorge! Wer gut und geschickt übt, kann in wenig Zeit und ohne große Mühen ganz schön Vieles bewirken. Wie man effizient übt und schneller ans Ziel kommt, erfahren Sie hier.

Um produktiv und zielorientiert Üben zu können, ist Folgendes zu bedenken: 

Die meisten Lösungen finden wir deshalb nicht, weil wir die Probleme nicht benennen können. Genau aus diesem Grund werfen wir nun einmal einen Blick auf die Herausforderungen, mit denen Sie wahrscheinlich bereits konfrontiert waren oder es immer noch sind, wenn Sie Klavier spielen. 

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Besondere Herausforderungen des Klavierspiels

Klavierspielen ist ein sehr komplexer, motorischer und kognitiver Prozess. Dieser Prozess fordert vor allem die Koordination und das Zusammenspiel von Händen, Armen, Beinen und Augen heraus. Außerdem ist nicht zu vergessen, dass die Spieler/innen Noten lesen, Musiktheorie verstehen und ihre Fingertechnik stets verbessern müssen.

Zu den besonderen Herausforderungen des Klavierspiels zählen:

  • Fingertechnik

Die Fingertechnik ist die Grundlage des Klavierspiels. Um schwierige Passagen spielen zu können, ist eine gut entwickelte, saubere Technik unerlässlich. 

  • Notenlesen

Klavierspieler/innen müssen in der Lage sein, Noten schnell und fehlerfrei zu lesen. Dies ist vergleichbar mit dem Lesen eines Textes und ist eine wichtige Voraussetzung für das Erlernen neuer Stücke. Beim Spielen des Musikstückes hat der/die Ausübende keine Zeit, nachzudenken: das Lesen der Noten muss mit dem Ausführen der Bewegungsabläufe automatisiert und in Einklang gebracht werden.

  • Musiktheorie

Musiktheoretische Kenntnisse helfen den Spieler/innen, die Musik besser verstehen und interpretieren zu können. 

  • Konzentration

Klavierspielen erfordert ein hohes Maß an Konzentrationsfähigkeit. Die Lernenden müssen sich auf ihre Finger, die Noten und die musikalische Interpretation und Ausführung konzentrieren. Beim Konzert und Üben heißt es außerdem auch, sich nicht von äußeren Geräuschen oder anderen Umständen ablenken zu lassen. 

Erlernen des Klaviers als Erwachsener

Grundsätzlich ist das Klavierspielen lernen in jedem Alter möglich. Erwachsene haben jedoch teils andere Voraussetzungen und sind mit anderen Herausforderungen als Kinder konfrontiert. Sie haben viele Verpflichtungen, mehr Selbstzweifel und wenig Zeit zum Üben.

Grundlage für erfolgreiches Klavierlernen ist die Auswahl eines geeigneten Lehrers oder einer geeigneten Lehrerin. Nicht nur das Fachwissen und Können des Lehrers/der Lehrerin sind ausschlaggebend, sondern auch die pädagogisch – didaktischen Fähigkeiten spielen eine große Rolle. Wichtig ist es, mit dem Lehrer/der Lehrerin gut zu harmonieren, um den Unterricht gerne zu besuchen und die Freude am Lernen und Musizieren nicht zu verlieren. Wer eine/n geeignete/n Lehrer/in gefunden hat, kann sich auf die Musik einlassen und wird mehr Energie und Lust zum Üben haben. Apropos Üben – kommen wir doch einmal zum Thema: 

10 Tipps für das Klavier lernen als Erwachsener

  1. Singen Sie!

Tipp Nummer Eins klingt vielleicht mehr nach Zauberei, als Realität, ist aber bewiesen. Die Grundlage für jedes Instrumentalspiel ist die eigene Stimmbildung. Wer singen kann, was er spielen möchte, kommt zielsicher voran. Man spricht oft vom “inneren Ohr”, das man braucht, um Musik machen zu können. Wer die Musik “hören” (sich in Gedanken vorstellen) kann, noch bevor sie erklingt, wird über das Ergebnis des tatsächlichen Spiels überrascht sein. Die Entwicklung des inneren Ohres braucht natürlich Zeit und Übung, also nicht gleich aufgeben, wenn es anfangs noch nicht klappt.

Fangen Sie mit kleinen Schritten an, singen Sie kurze Passagen oder Lieder, die Sie gut kennen und versuchen Sie dann, diese zu spielen. Später verwenden Sie dieselbe Methode in den Stücken, die Sie zu erlernen versuchen. 

  1. Setzen Sie sich realistische Ziele

Die Frustration beim Üben kommt oft davon, dass man sich zu hohe Ziele setzt, die man nur schwer erreichen kann. Der Weg zum Ziel baut sich aus kleinen Etappen zusammen, die man nur Schritt für Schritt bewältigen kann. Seien Sie daher nicht übermütig, sondern stattdessen bescheiden und zerteilen Sie Ihr Ziel in so viele Zwischenziele wie möglich. Je mehr Zwischenziele Sie sich setzen, desto schneller werden Sie diese erreichen, desto schneller kommen Sie ans Ziel. Erlauben Sie Ihrem Körper und Geist, sich die Zeit zu nehmen, die Sie brauchen, um Neues zu erlernen. 

  1. Benennen Sie das Ziel, das Problem und den Lösungsweg

Beim Musizieren, so wie in allen Bereichen des Lebens, ist es wichtig, zu wissen, was Sie wollen. Wie soll die Musik, die ich spielen werde, klingen? Ich brauche eine Idee und Vorstellung von dem, was ich kreieren möchte, um es kreieren zu können, daher ist das eine grundlegende Basis. Wenn beim Üben dann Schwierigkeiten auftreten, müssen Sie diese erkennen und benennen, um sie zu lösen. Es hilft, das Problem auf ein Blatt Papier zu schreiben und den Lösungsweg auf die andere Seite zu platzieren. Man lenkt und fokussiert seine Konzentration und Gedanken dann nämlich genau auf die Aufgabe des Problemlösens.  

  1. Starten und beenden Sie Ihre Übephase mit einem Lied, das Sie lieben und mühelos beherrschen

Wenn Sie Ihre Übephase mit einem Stück starten und einem Werk abschließen, das Sie lieben und mit Leichtigkeit spielen können, werden Sie es kaum erwarten können, wieder zum Klavier zurückzukommen und weiterzuüben. Es muss übrigens kein Lied sein, sondern kann genauso gut eine Improvisation sein. Sie können spielen, was Ihnen in den Kopf und in die Finger kommt und Ihrer Inspiration und Emotion freien Lauf lassen. Wichtig ist, dass Sie den Beginn und das Ende des Übens mit einer positiven Erfahrung verknüpfen, die Sie daran erinnert, warum Sie Ihr Instrument spielen und Sie immer wieder gerne ans Klavier zurückkehren. 

  1. SPIELEN Sie Ihr Instrument

Es heißt nicht umsonst “ein Instrument spielen”. Haben Sie Freunde und Spaß daran und legen Sie die beiden Spielverderber Ernst und Kritiker beim Betreten des Musikzimmers vor der Türe ab.  Probieren Sie Neues, experimentieren Sie, freuen Sie sich, wenn etwas gut klappt, oder Sie ins “nächste Level aufsteigen” (ein Zwischenziel erreicht haben). Singen Sie, tanzen Sie und lassen Sie Ihr inneres Kind  doch wieder einmal aufleben. Das heißt übrigens nicht, dass man das Erlernen des Klaviers nicht trotzdem mit Sorgfalt und Genauigkeit angehen kann. Wer Freude und Spaß dabei hat, lernt schneller und glücklicher. 

  1. In der Ruhe liegt die Kraft

In jeder Arbeitsphase ist es wichtig, Pausen einzulegen. Was für uns vielleicht als Pause wirkt, ist für unseren Körper und Geist eigentlich gar keine, denn diese beiden Mitspieler arbeiten während der Ruhephase weiter. Das Geübte braucht Ruhephasen, um verarbeitet und gespeichert zu werden. 

  1. Regelmäßiges Üben macht den Meister

Konsequentes, regelmäßiges, richtiges Üben macht den Meister. Das Erlernen eines Instrumentes erfordert Disziplin, ohne die man kaum Fortschritte macht. Auch, wenn Sie nicht viel Zeit haben, ist es besser, 15 Minuten pro Tag zu üben, als 2 Stunden nur einmal pro Woche. Machen Sie das Klavierüben zu einer tagtäglichen Gewohnheit und verknüpfen Sie es mit einer anderen Tätigkeit, die im Alltag integriert ist. Sie können zum Beispiel immer frühmorgens nach dem Zähneputzen üben, oder nachmittags nach dem Mittagessen, oder aber auch abends vor den TV – Nachrichten. Schaffen Sie Platz für Ihr Klavier und sich selbst. 

  1. Lernen durch Imitation

Musik ist eine Sprache. Alles, was wir als Neugeborene und Kinder lernen, lernen wir durch Imitation, durch das Beobachten und Nachmachen. Daher gilt: Hören und Sehen Sie sich andere Klavierspieler/innen an. Observieren Sie deren Bewegungen, Haltungen und Klänge und versuchen Sie jene Spieler/innen, die sich in Ihr Herz spielen, zu imitieren. 

  1. Mentales Üben

Genauso wichtig wie das Üben am Instrument ist auch das Üben “weg vom Instrument”. Wie bereits erwähnt, kann die Musik gesungen oder in Bewegungen umgesetzt, getanzt oder gezeichnet werden. Außerdem kann man mental Üben: Sich die Musik und Bewegungsabläufe der Hände, Arme, Finger, Beine etc. vorstellen, ist eine enorme Power Ressource, die Wunder bewirken kann. 

  1. Klavier spezifische Übetipps

Wichtige Basics beim Klavierüben sind

  • Linke und rechte Hand (Melodie und Begleitung) getrennt voneinander üben
  • Töne und Rhythmus getrennt voneinander üben
  • schnelle und schwierige Passagen in verschiedenen Rhythmisierungen ausführen
  • den Blick von den Händen wegrichten und darauf vertrauen, dass sie ihren Weg finden
  • auf eine gute Haltung achten, aufrechter Sitz und lockere Schultern
  • auf fließende, natürliche Bewegungen der Arme achten
  • die Atmung ins Spiel mit einfließen lassen, auch wenn das Klavier kein Blasinstrument ist 

Fazit

Hinter dem Wort “Üben” steckt also tatsächlich etwas mehr, als nur das Wiederholen einer Tätigkeit. Probieren Sie selbst, suchen Sie sich einen Tipp pro Tag aus und integrieren Sie ihn in Ihr Klavierüben. Wichtig ist, das Üben so zu gestalten, dass es Spaß macht und Ihr Herz stets zum Tanzen, Singen und Lachen bringt.